Mittwoch, 3. September 2008

Unialltag - die Erste



An der Uni pendelt sich so allmaehlich ein Alltag ein. Jedoch ist es hier nicht immer so, dass man wie an der Uni Koeln z.B. jeden Montag von 12.45 bis 14.15 die Vorlesung Handelsmarketing besucht. Wir haben einen Plan, der jeden Tag des Semesters auffuehrt und aussagt, wann welcher Kurs wo stattfindet. Diesen Plan habe ich mittlerweile in der dritten Ausfuehrung und eben habe ich eine E-Mail erhalten, dass Ende September erneut etwas geaendert wurde. Zudem tickt die Uhr hier anders. Morgen abend habe ich einen Kurs von 21.05 bis 22.20. Aber: that’s India! Ich bin mit meiner Kurswahl absolut zufrieden. Ich habe die Kurse bekommen, die ich wollte. Ich denke sie sind allesamt interessant und werden mir einen Eindruck ueber die indische Gesellschaft und Industrie vermitteln.
Ich bin mehr oder weniger schon mittendrin. Zumindest habe ich schon Literatur und Cases (=Fallstudien der Universitaet selbst) in zwei Faechern gelesen und war heute in der Bibliothek, um mir ein Buch auszusuchen, ueber das ich eine Zusammenfassung schreiben muss hinsichtlich strategischer Gesichtspunkte. Wie genau das aussehen soll, weiss ich noch nicht.
Alles Material wie Kugelschreiber, Bleistift, Block, Textmarker etc. konnte ich hier in einem kleinen Laden neben der Mensa kaufen. Den karierten Block musste ich bestellen und er war dann auch tatsaechlich nach 2-3 Tagen da. Eine schoene Tasche habe ich an einem Strassenstand doch noch gefunden.
Hier die Universitaet wirkt wie ein kleines Dorf. Man steht auf, geht die Treppe runter und ist direkt an den Vorlesungsraeumen, der Mensa, der Bibliothek – nichts ist weit entfernt. Es gibt eine Bank, eine Post, einen Arzt auf dem Campus. Es ist echt nett. Per Telefon auf dem Zimmer kann man jeden Studenten erreichen und Dinge abklaeren oder sich verabreden.
Und man merkt immer wieder, dass es uns Austauschstudenten allen gleich geht…wir haben alle die gleichen Probleme, wie z.B. Internetzugangsprobleme oder auch, dass wir die Professoren schlecht verstehen, und auch die gleichen Interessen – die ersten planen ihre gemeinsame Kurzreise fuer das kommende Wochenende.
Gestern abend hatten wir unser erstes “Dorm-Meeting”, bei dem sowohl wir Austauschstudenten als auch die indischen Studenten sich vorgestellt haben. Uns wurden wichtige Dinge erklaert und wir konnten Fragen stellen. Alle sind wirklich sehr nett und hilfsbereit.
Mein Zimmer finde ich mittlerweile echt huebsch. Ich freue mich jeden morgen die Tueren zum Balkon aufzumachen, damit die Sonne hineinscheint. Die Sonne ist das Schoene an dem Wetter, das Unangenehme sind die Temperaturen – 35 bis 39 Grad taeglich. Man kommt aus der Dusche und faengt direkt an zu schwitzen. In meinem Zimmer habe ich einen Ventilator und in den Vorlesungsraeumen gibt es Klimaanlage. Also alles irgendwie ertraeglich.
Ich denke, ich habe mich in der kurzen Zeit bisher gut eingelebt und die 3 Monate Uni werden bestimmt vorbeigehen wie im Flug…

Erlebnisse / Erfahrungen - die Erste


Am Sonntag abend, ich machte mich gerade fertig, weil wir mit den Austauschstudenten wieder auswaerts essen gehen wollten, da klopfte es meiner Tuer. Draussen stand Kia, eine indische Studentin im ersten Jahr hier an der Universitaet. Ich hatte sie schon am Freitag in meinem Wohnheim (=Dorm) kennengelernt. Sie fragte mich, was ich heute abend vorhabe. Sie lud mich zu einer Geburtstagsparty ein. Leider war ich ja schon verabredet…doch waehrend des Gespraechs stellte sich heraus, dass es nicht ihre Geburtstagsparty war, sondern die von einem Jungen in einem anderen Dorm. Die Jungen hier haben die Tradition, dass bei jeder Geburtstagsfeier ein Ehrengast eingeladen wird, der dem Geburtstagskind ein Stueck Torte ins Gesicht schmiert. Dieser Ehrengast sollte ich sein!! Interessante Tradition…aber wie gesagt, war ich ja schon verabredet. Kia liess jedoch nicht locker und sagte, dass das ganze Spiel erst um 00.00h stattfinden sollte. Ich war ein wenig skeptisch und wusste auch nicht, ob ich bis dahin aus der Stadt zurueck war…also sagte ich, dass ich es versuchen werde, aber nicht definitiv versprechen konnte, dann auch da zu sein. Ich erzaehlte diese eigenartige Geschichte direkt Renee, der anderen Studentin aus Koeln, und sie war direkt Feuer und Flamme und wollte mitkommen. Nach einem leckeren Essen in der Stadt waren wir schliesslich um 23.45h zurueck am Campus. Ich rief Kia an und fragte, wo wir hinkommen sollen. Dorm 25 im neuen Teil des Campus war schnell gefunden, von Party jedoch noch keine Spur. Zur Sicherheit, falls ich es nicht geschafft haette, hatte Kia noch ein anderes indisches Maedel mitgebracht. Immer mehr Jungs versammelten sich und gegen 00.15h ging dann das traditionelle Prozedere los: das Geburtstagskind, ich wuerde schaetzen 190cm gross, wurde von 4-6 Jungen in der Luft festgehalten und die anderen schlugen mit ihren Badelatschen von oben fest auf seinen Hintern oder traten ihm von unten in den Hintern. Es schallte durch den kompletten Innenhof. Mir erschien das eher als eine Folter als Gratulation und Glueckwuensche. Aber gut…eine indische Maenner-Tradition hier an der Universitaet. Danach wurde der Kuchen angeschnitten. Wir zwei “Ehrengaeste” nahmen uns ein Stueck Torte und schmierten es dem Geburtstagskind in Gesicht, Haare und auf die Brust. Anschliessend durften wir auch ein Stueck Torte essen – schmeckte echt gut! Und das war’s dann auch schon…Leider gibt es von diesem Erlebnis keine Fotos, da es einfach zu dunkel war.


Ein weiteres “Erlebnis” ist die Registrierung bei der Polizei hier in Ahmedabad. Ein Gesetz hier in Indien besagt, dass jeder auslaendische Student, der mit einem Studentenvisum einreist und laenger als 180 Tage in Indien bleibt, sich innerhalb von 14 Tagen nach Ankunft in Indien bei der Polizei seiner Universitaetsstadt melden muss. Haelt man diesen Zeitrahmen nicht ein, muss man eine Strafe von umgerechnet ca. 20 Euro bezahlen. Zunaechst braucht man fuer diese Registrierung alle moeglichen Dokumente: ein Schreiben des Exchange Office der Uni, dass man hier studiert und von wann bis wann, ein Schreiben des Student Activity Office mit unserer genauen Adresse auf dem Campus, d.h. Wohnheim- und Zimmernummer, und Telefonnummer, Kopie von Reisepass, Visum und Einreisestempel und zusaetzlich 6 Passfotos. Jetzt weiss ich auch warum wir von Deutschland aus 10 Passfotos an die Uni schicken mussten. Hat man alle Dokumente muehsam zusammengesucht und organisiert, darf man weitere Dokumente ausfuellen und zwar vier Blaetter, auf denen man vier mal dasselbe hinschreiben muss: Name, Adresse in Deutschland, Nationalitaet, Reisepassnummer, Nummer des Hinflugs, wo man gelandet ist usw. Was sein muss, muss sein! Erfreulicherweise war es moeglich, diese Blaetter bei dem Security Supervisor, also dem Haupverantwortlichen fuer die Sicherheit auf dem Campus, zu erhalten. Ich habe brav alles ausgefuellt und dachte ich kann ihm die Dokumente heute morgen einfach abgeben, damit er sie von uns Studenten gesammelt zur Polizeistation bringt. Falsch gedacht…es gab ein weiteres Blatt, was ausgefuellt werden musste. Natuerlich hatte ich meinen Kugelschreiber im Zimmer liegen lassen. Diese sind hier in Indien immer(!) Mangelware. Es wurde wieder nach denselben Dingen gefragt: Reisepassnummer, Geburtsdatum, Geburtsort, usw. So, dachte ich, jetzt hast du es aber geschafft…leider noch nicht! Da ich die 14 Tage – Frist leider nicht eingehalten habe und somit die Strafe zahlen muss, musste ich zusaetzlich ein paar Saetze aufschreiben, in denen ich erklaere, dass es mir nicht moeglich war die Registrierung vorher zu vorzunehmen. Damit habe ich die erste Huerde geschafft!
Es ist schon eine Erleichterung, dass der Security Supervisor sich um die Angelegenheit kuemmert. Andere Austauschstudenten von uns sind auch alleine zum Polizei Office gefahren, was nochmals komplizierter ist, weil man zuerst den richtigen Ansprechpartner finden muss und dann ist es oft schwierig zu verstehen, was man als naechstes machen muss.
Ich kann morgen abend – hoffentlich – meinen Reisepass wieder abholen und bekomme dann meinen Termin zu einem persoenlichen Gespraech bei der Polizei. Damit sollte die Registrierung geschafft sein.
Nach dem Semester brauchen wir dann wieder eine schriftliche Erlaubnis oder Bestaetigung von der Polizei, die wir bei der Ausreise aus Indien benoetigen. Falls ich die vergesse, muss ich leider hier bleiben…

Samstag, 30. August 2008

Der zweite Tag an der Uni



Gestern Abend sind wir alle zusammen, d.h. 9 Austauschstudenten (6 Jungs, 3 Maedels), in ein Barbecue-Restaurant gefahren. Zunaechst mussten ca. drei Rikschas organisiert, das Ziel erklaert und schliesslich der Preis ausgehandelt werden. Wir drei Maedels haben uns eine Rikscha geteilt – kein guter Plan. Wir wussten nicht genau wohin wir fahren sollten, da wir den Namen des Restaurants nicht genau kannten und unser Rikschafahrer ist leider nicht der Bitte nachgekommen, den anderen zu folgen, sondern bog direkt an der ersten Kreuzung ab. Wir dachten, wir sind verloren. Doch irgendwann trafen wir die anderen waehrend der Fahrt wieder. So kamen wir schliesslich doch alle am richtigen Restaurant an. Die Jungs hatten das Restaurant ausgesucht, weil es hier „All-you-can-eat“ und Buffet mit viel Fleisch gab. Es war ein unerwartet nobles Restaurant und der Preis fuer indische Verhaeltnisse sehr hoch. Wir zahlten pro Person, inkl.Wasser und bestimmter alkoholfreier Cocktails, Rs.425 – das sind jedoch umgerechnet lediglich ca. 7 Euro. Das Essen war reichlich. Man wurde nobel bedient und es gab sogar Nachtisch, Eis und Brownies mit Schokososse!!Mmmhhhh!!
Der anschliessenden Suche der Jungs nach Bier, haben wir Maedels uns nicht angeschlossen, sondern wir sind zurueck zur Uni gefahren. Alkohol ist hier in dem Bundesstaat Gujarat verboten. Auslaender haben jedoch die Erlaubnis. Wir haben uns also auf einem Zimmer getroffen und uns unterhalten. Da die Jungs anscheinend so bald nicht fuendig wurden und wir Maedels muede von der Reise waren, sind wir gegen 24h auf unsere Zimmer gegangen um zu schlafen. Vorher habe ich noch mein Moskitonetz befestigt. Es haengt optimal und ich habe gut darunter geschlafen.

Heute morgen haben wir uns zuerst getroffen, weil der Mann von dem Computerladen uns um 10h treffen wollte. Er liess jedoch auf sich warten. Also gingen wir zur Mensa um zu fruehstuecken...leider etwas spaet. Es gab nur noch Bananen, Cornflakes und Milch. Da musste dann noch ein gekauftes Donut her, um den Magen zufrieden zu stellen. Die Sache mit dem PC ist leider noch nicht abschliessend geklaert, weshalb ich jetzt gerade (21.58h) wieder im Computer Center sitze. Ich hoffe, ich werde Anfang der Woche einen PC bekommen und ich hoffe, dass dann auch Internet, inklusive Skype, funktioniert.
Unsere naechste Aktion heute war Waesche zu waschen. Wir haben zu drei/vier Maedels unsere Waesche zusammen gelegt und es hat gut funktioniert.
Am Nachmittag sind wir zu einem Einkaufscenter gefahren. Es war wirklich so wie bei uns in den Koeln Arcarden oder im Stadtcenter in Dueren. Es gab Markenlaeden wie Benetton, Levis, Wrangler, Esprit etc., die zum Teil auch aehnliche Preise haben wie bei uns. Wir haben eher andere Laeden gesucht, um guenstig neue T-Shirts, Hosen und/oder Roecke zu kaufen. Ich bin leider nicht fuendig geworden  Wir haben ausserdem alle zusammen einen grossen Supermarkt gestuermt. Es war wie beim real-Supermarkt – es gab alles moegliche zu kaufen, vom Kleiderbuegel ueber Shampoo bis zu Tischtennisschlaeger. Spaeter haben wir es noch in anderen Laeden versucht. Leider habe ich keine schoene Tasche fuer hier zur Uni gefunden. Ich werde weiterhin mein Glueck versuchen. Vielleicht schon morgen...

Freitag, 29. August 2008

Ankunft an der Universitaet in Ahmedabad



Mein Rikschafahrer schien nicht genau zu wissen, wo das IIMA (Indian Institute of Management)lag. Er fragte mehrmals am Strassenrand bei Haendlern oder anderen Rikschafahrern nach. Doch schliesslich hat er mich an der richtigen Adresse abgeliefert. Mit meinem Reisepass wurde mir der Zugang zum gut bewachten Campus gewaehrt. An der Information erkundigte ich mich nach dem "Exchange Office" fuer auslaendische Studierende. Auf dem Weg dorthin traf ich andere Austauschstudenten, die mir anboten, mir das Office zu zeigen. Dort angekommen habe ich alles zunaechst notwendige geklaert und bekam meinen Zimmerschluessel ausgehaendigt. Kurz nach mir kam eine Austauschstudentin aus Frankreich an. Wir waren also beide neu am Campus. Die Jungs verabredeten sich mit uns um 13h an der Mensa. Also habe ich mir erst mal mein Zimmer angeschaut. Es ist nicht gerade komfortabel. Es gibt ein Bett, einen alten Schreibtisch, einen Schrank wie beim Bund und eine Kommode. Es gibt kein Fenster, aber ich kann die Holztueren oeffnen, die auf einen Minibalkon fuehren. Es gibt ein Gemeinschaftsbad fuer 10 Maedels mit zwei Duschen, zwei Toiletten und einer Waschmachine. Ich denke, es wird schon gehen...werde mich dran gewoehnen. Als erstes habe ich versucht das Telefon und den Mehrfachstecker anzuschliessen, die man mir mitgegeben hatte. Natuerlich hat nicht alles funktioniert. Also bin ich zurueck gegangen zum "Student Activity Office", wo man mir weitergeholfen hat und wo ich mich ueber andere wichtige Dinge wie Geld, Computer und Polizeiregistrierung informiert habe. Zum Essen um 13h war ich puenktlich. Ich hatte ganz schoen Hunger! Das indische Essen war in Ordnung und hat gut geschmeckt. Ich habe sogar drei Jungs aus Deutschland getroffen! Der Kontakt zu anderen Austauschstudenten ist also da. Anschliessend mit ich mit der franzoesischen Studentin zusammen losgezogen, um uns um unsere PCs und Waesche zu kuemmern. Bei mir im Zimmer wurde noch die Balkontuer repariert und eine Leine befestigt, damit ich mein Moskitonetz aufhaengen kann. Zusaetzlich haben wir vom Office Moskitoschutzmittel gestellt bekommen. Ich muss mich noch um einiges kuemmern, aber das wird schon... Wir sitzen gerade zusammen im Computer Center. Mal sehen, was der Abend noch so bringt. Vielleicht treffe ich dann auch Renee, die andere Studentin aus Koeln. Die anderen wollten in ein Restaurant in der Stadt. Ich werde mich das Wochenende ueber schon noch einleben...

Reise von Jodhpur nach Ahmedabad



Am Morgen in Jodhpur haben wir zwei Maedels lecker gefruehstueckt und wichtige Dinge abgeklaert und organisiert. Danach machten wir uns per Autorikscha auf, um das Fort von Jodhpur zu besichtigen. Es war sehr interessant, da es eine Audiotour auf Deutsch gab, bei der man alle wichtigen Dinge erzaehlt bekam. Es haben uns wieder viele Inder angesprochen und aufgefordert, ein Foto mit Ihnen zu machen. Man kann es verstehen, da wir uns sehr von ihnen unterscheiden. Aber manchmal fuehlt man sich regelrecht bedraengt und nach dem 10 Foto faellt einem das Laecheln schon schwer. Was hier auch vorkommt ist, dass Muetter oder Vaeter mit ihren Kindern auf uns zukommen und sie die Kinder dazu bringen uns anzufassen bzw. uns die Hand zu geben, obwohl die Kinder dies oft nicht wirklich moechten, sondern anfangen zu weinen. Tja, that's India!
Gegen 13h kehrten wir zum Hotel zurueck, um etwas zu essen. Und dann war es auch Zeit fuer mich. Wir machten uns auf Richtung Bahnhof, der erfreulicherweise nur 5 Minuten zu Fuss entfernt lag. Nachdem ich auf der Papierliste meinen Namen gefunden hatte und so meinen Wagon und meine Sitzplatznummer ausfindig gemacht hatte, hiess es leider Abschied nehmen. Es war schon traurig zu wissen, dass man nun alleine weiterreisen musste. Aber wir sehen uns ja hoffentlich noch mal vor Annemaries endgueltiger Abreise nach Deutschland.
Nach fast einer Stunde Verspaetung fuhr mein Zug endlich am Bahnhof in Jodhpur ein. Schnell habe ich den richtigen Wagon und Schlafliege gefunden. Ich hatte die mittelste Schlafliege von drei uebereinander. In meinem "Abteil" habe ich eine nette Familie angetroffen, die mir indische Suessigkeiten, Snacks und Lassi anbot. Ich habe hoeflich von allem ein bisschen probiert und es gut vertragen. Wir haben uns lange Zeit unterhalten. Leider sind die Fensterscheiben der Sleeper-Class mit Klimaanlage getoent, so dass man die LAndschaft nur schlecht erkennt. Deshalb durfte ich mich im Gang zwischen zwei Wagons an die offene Tuer stellen. Ich habe es genossen, mir die indische Luft um die Nase wehen und das Gesicht von den letzten Sonnenstrahlen waermen zu lassen. Dabei sind noch ein paar schoene Fotos entstanden. (Werden nachgereicht!)Bei Einbruch der Dunkelheit habe ich versucht ein wenig zu schlafen. Dank Wecker habe ich den richtigen Ausstieg nicht verpasst. Ich gebe zu, dass ich ein wenig aengstlich war. Es war 1.00h morgens - keine gute Zeit fuer eine weibliche Europaeerin alleine los zu ziehen. Aber was soll man machen...ich machte es wie viele Male zuvor mit Annemarie zusammen auch: ich nahm mir eine Autorikscha, die mich zum Hotel bringen sollte. Zwar sagte der Rikschafahrer, dass das Hotel geschlossen sei, fuhr mich aber trotzdem. Waehrend der Fahrt habe ich so getan, als wuerde ich telefonieren - reine Vorsichtsmassnahme. Am Hotel angekommen, erwartete mich Gott sei Dank jemand am Eingang. Das Zimmer war ok und ich war froh, als ich um 2.00h endlich im Bett lag. Vor dem Wecker weckte mich das Hoteltelefon, wobei ich nicht verstanden habe, was der junge Mann von der Rezeption eigentlich von mir wollte. Also stand ich auf, duschte, packte meinen Rucksack. Mein Fruehstueck wurde mir aufs Zimmer gebracht. Anschliessend habe ich direkt gezahlt und machte mich auf Richtung IIMA - Indian Institute of Management, Ahmedabad. Meine neue Herausforderung...

Mittwoch, 27. August 2008

Jaisalmer / Jodhpur





Eigentlich sollte unser letzter Tag in Jaisalmer unser Relax - Tag werden. Wir waren auch an einem See und sind Treetboot gefahren. Im Internetcafe haben wir die Gelegenheit genutzt, unsere gemeinsamen Fotos auf CD brennen zu lassen. Leider hat das Ganze volle vier Stunden gedauert!!! Es hiess immer: es ist in 10 Minuten fertig. Unsere Geduld wurde an diesem Abend noch mehr auf die Probe gestellt...es gab Probleme mit Annemaries Flugticket. Das Ticket gaben wir am Vormittag in Auftrag. Am Nachmittag sollte es dann durch einen anderen Mitarbeiter gebucht werden, sodass wir am Abend gegen 19Uhr das fertige Ticket abholen sollten. Es war wie immer alles "no problem"! Doch leider gab es wiedermal irgendwelche nicht nachvollziehbaren Probleme, sodass das Ticket (nicht mehr als ein Yahoo-Screenshot!!!!!)schliesslich etwas verspaetet um 21.30Uhr fertig war. Auch hier haben wir wiedermal gemerkt, wie endlos die indische Gelassenheit sein kann! Wir waren dann nicht mehr gelassen!! Ausserdem hatten wir Hunger!! Zum Teil haben wir die Wartezeit nutzen koennen, um uns ein schickes, typisch indisches Henna - Tatoo machen zu lassen: love, luck and health und in die Handinnenflaeche unseren Namen in Hindi. Das koennen wir jetzt immer zeigen, wenn jemand nach unserem Namen fragt. Natuerlich haben wir uns das gleiche machen lassen - als Erinnerung an unsere gemeinsame Reisezeit. Nachdem wir endlich alles erledigt hatten, gab's auch was zu essen.


Heute morgen haben wir uns ein wenig mit der Zeit verkalkuliert...fast haette ich meinen Leinenschlafsack vergessen! Jemand vom Hotel brachte uns zum Bus, der anstatt um 8.30h erst um 8.55h los fuhr. Da fragt man sich doch mal wieder: wozu Stress und Hektik??!! Der Bus besass eine melodische Hupe, die der Fahrer auch staendig zum besten geben musste. Am Strassenrand pilgerten Glaeubige mit bunten Fahnen entlang.

Schliesslich in Jodhpur angekommen, haben wir unser Hotelzimmer bezogen, einen leckeren vegetarischen Burger gegessen und sind Richtung Altstadt und Markt aufgebrochen. Nach wenigen Staenden stiessen wir auf einen Gewuerz - und Teeladen - dafuer ist Indien ja schliesslich bekannt. Man forderte uns freundlich auf naeher zu treten. Der junge Mann liess uns an verschiedenen Gewuerzen und Teesorten riechen und erklaerte uns Zusammensetzung und Zubereitungsanleitung. Zwei Jungs aus dem Sueden Deutschlands gesellten sich zu uns. Wir durften sogar probieren. Das angebliche Highlight des gesamten Angebotes war ein Gewuerz, dass der Haendler als "Indian Viagra" bezeichnete ;-)) Es war ein sehr interessanter Ausflug in die Tee - und Gewuerzkultur Indiens. Danach sind wir noch ein bisschen durch die Strassen geschlendert.

Morgen moechten wir uns noch gemeinsam das Fort hier in Jodhpur angucken, bevor ich mich auf den Weg nach Ahmedabad mache. Doch nach unserer Planung werden wir uns naechstes Wochenende noch mal sehen vor Annemaries Abflug. Also noch kein kompletter Abschied.

Ich vermute, dass es auf diesem Blog waehrend meiner Studienzeit etwas ruhiger werden wird. Trotzdem halte ich euch weiterhin auf dem laufenden.

Dienstag, 26. August 2008

Jaisalmer - Kamelsafari und mehr



Am Sonntag morgen ging es los. Wir haben einen unserer Rucksaecke mit auf Safari genommen und den anderen im Hotel gelassen. Fruehstueck schon um 6.45h. Das war wie versprochen kein Problem fuer das Hotelpersonal. Um 7.20h hat uns dann der Jeep abgeholt und erst mal zum Reisebuero gefahren. Dort haben wir dann die beiden deutschen! Jungs kennengelernt, die diese Safari mit uns zusammen erleben wollten. Hier haben wir die letzten notwendigen Dinge eingekauft - einen Umhaengebeutel fuer unsere Wasserflasche und Toilettenpapier. Sonst waren wir bestens ausgeruestet: Hut bzw. Kappe, Sonnencreme, Sonnenbrille, lange Hose, lange Bluse,... Dann konnte es eigentlich losgehen...so dachten wir...aber die Inder sind sehr gelassen. Es wurde erst noch Bier fuer uns eingekauft und die notwendigen Lebensmittel und die 3x 25 Liter Kanister Trinkwasser in den Jeep geladen. Endlich fuhren wir stadtauswaerts. Man sah eine trockene Landschaft mit ein paar Straeuchern, Baeumen und natuerlich Kakteen. Die Strasse schien endlos lang...waehrend der Fahrt haben wir uns mit den Jungs ausgetauscht - wo man herkommt, was man beruflich macht, wie alt, wo man schon ueberall in Indien war und wo man noch hin moechte...schliesslich fuhr der Jeep von der Strasse ab, wo unser Kamelfuehrer mit zwei "edlen Rossen" stand. Bei uns allen kam direkt die gleiche Frage auf: warum nur zwei Kamele - wir sind doch zu viert und jedem ist ein eigenes Kamel zugesichert worden. Es stellte sich heraus, dass wir auf die zwei noch fehlenden Kamele warten mussten. Ich sage nur: indische Gelassenheit. Also warteten wir...einer der Jungs liess sich von unserem Fuehrer einen Turban binden, unser Rucksack und die Plastiktuete der Jungs (man erkennt mal wieder den Unterschied zwischen Frauen und Maennern! Wobei ich sagen muss, dass die Tuete natuerlich spaeter irgendwann gerissen ist ;-)) wurde schon mal am Kamel befestigt. Endlich tauchten am Horizont zwei Kamele, inkl.Begleiter auf. Das waren unsere! Also hiess es gegen 10.00h endlich aufsitzen! Wir Touristen sassen auf den Kamelen und unsere beiden Begleiter gingen zu Fuss nebenher. Erst ritten wir alle schoen angeleint hintereinander her. Nach kurzer Strecke durften wir selbst die Zuegel in die Hand nehmen - ein eigenartiges Gefuehl! Aber Kamele sind so gemuetliche Tiere und gehorchen auf Zurufe und Gerausche ihrer Fuehrer. Den beiden Jungs waren die Tiere anscheinend zu langsam. Sie fragten nach dem "Gaspedal". Daraufhin habe ich erst mal mit einem mein Kamel getauscht. Ich wechselte von dem jungen Mr.Bean auf das Leitkamel Simon. Dadurch ging ich meist vorweg und Simon reagierte super gut auf meine "Zuegelfuehrung". Die beiden Jungs haben die Tiere immer wieder zum Ueberholen angetrieben. Irgendwann gelang es auch...aber Kamele sind nun mal Tiere und keine Motorraeder und halten sich auch an eine gewisse Rangordnung.
Nachdem die Tiere getrunken hatten, ritten wir zu einem einsamen Wuestendorf. Dort sprachen wir ein bisschen auf Englisch mit den Bewohnern und machten Fotos. Gegen Mittag wurde Rast bzw. Siesta gemacht und die Kamele abgesattelt. Wir wurden von unseren Begleitern lecker bekocht und konnten uns im Schatten ausruhen. Dorfkinder kamen vorbei, um uns neugierig zu betrachten. Wir schenkten ihnen Obst und Kekse. Die Rast dauerte ganze drei Stunden - aufgrund der gluehenden Mittagshitze. Dann ging es auf Richtung Duenen - wunderschoene Sandduenen in unendlicher Landschaft! Uns wurde wieder Chai serviert und Essen gekocht ( Chapati - ueber dem Feuer gemachte runde Brotfladen und Gemuese). Anschliessend konnten wir den Sonnenuntergang beobachten. Bei der Hitze sehnte man sich nach einer richtig kalten Cola...but no problem! Da kam doch tatsaechlich der "Pepsi-Boy" aus dem zwei Stunden Fussmarsch entfernten Dorf mit relativ kalten Getraenken vorbei! Unglaublich! So gegen 20h war es dann auch schon dunkel und die ersten Sterne erschienen am Himmel. Ich kann die Meinung nur bestaetigen: hier sieht man den wunderbarsten Sternenhimmel!! - so viele Sterne, die Milchstrasse total klar. Natuerlich gab es in der Wueste ein paar Insekten, die wir aber lediglich mit dem Licht unserer Taschenlampe anzogen. Mit Blick in den Himmel sind wir irgenwann eingeschlafen. Es war zwar kuehler, aber wir haben nicht gefroren. Nachts bin ich aufgewacht und habe mir den wunderschoenen Mond am Himmelszelt angeschaut. Auch zum Sonnenaufgang bin ich puenktlich aufgewacht. Nach dem Fruehstueck hiess es wieder aufsitzen. Da man es nicht gewohnt ist, auf einem Kamel zu reiten, taten uns allen ganz gehoerig die Leisten und der Steiss weh. Die Landschaft durch die wir ritten veraenderte sich nicht. Den Jungs war das Ganze zu langweilig geworden. Sie liessen sich mit der Ausrede von Unwohlsein vom Jeep abholen. Aber wir Maedels wollten das zu Ende machen, was wir angefangen hatten! So ritten wir weiter - auch wenn es oft weh tat und anstrengte. Unser netter Kamelfuehrer, der sich gut um uns sorgte, machte das wieder wett. Bei unserer Siesta fragte er, wieviel Annemaries Handy in Deutschland gekostet hat. Als er den Preis hoerte, schreckte er auf und sagte: das ist ein halbes Kamel!! Es war wirklich witzig und eine wunderbare Erfahrung, auch wenn es wenig abwechslungsreich war.
Zurueck in Jaisalmer haben wir erst mal eine kalte! Cola getrunken und geduscht! Abends kuemmerten wir uns um unsere Weiterreise und waren italienisch essen - sehr gut. Heute hatten wir einen entspannten Tag. Wir haben einiges organisiert, Waesche gewaschen, uns einen See in Jaisalmer angeschaut. Denn das, was Annemarie und ich auf jeden Fall zusammen machen wollten, haben wir geschafft. Nun lassen wir unsere gemeinsame Reise ruhig ausklingen.
Morgen frueh geht es um 8.30h mit dem Bus 6 Stunden nach Jodhpur - die blaue Stadt und unsere letzte gemeinsame Station. Ich werde am Donnerstag mit dem Zug nach Ahmedabad fahren und mich auf mein Studium dort vorbereiten. Annemarie reist noch weiter hier in der Gegend und fliegt von Ahmedabad nach Bangalore, von Bangalore nach Frankfurt. Ich hoffe, ich sehe sie an dem Sonntag noch mal in Ahmedabad!
Es war eine tolle gemeinsame Zeit und ich bin froh, dass ich alle diese Erfahrungen, ob gut oder schlecht, mit ihr teilen kann. Schoen, dass du mit mir gereist bist!!