Mittwoch, 3. September 2008

Unialltag - die Erste



An der Uni pendelt sich so allmaehlich ein Alltag ein. Jedoch ist es hier nicht immer so, dass man wie an der Uni Koeln z.B. jeden Montag von 12.45 bis 14.15 die Vorlesung Handelsmarketing besucht. Wir haben einen Plan, der jeden Tag des Semesters auffuehrt und aussagt, wann welcher Kurs wo stattfindet. Diesen Plan habe ich mittlerweile in der dritten Ausfuehrung und eben habe ich eine E-Mail erhalten, dass Ende September erneut etwas geaendert wurde. Zudem tickt die Uhr hier anders. Morgen abend habe ich einen Kurs von 21.05 bis 22.20. Aber: that’s India! Ich bin mit meiner Kurswahl absolut zufrieden. Ich habe die Kurse bekommen, die ich wollte. Ich denke sie sind allesamt interessant und werden mir einen Eindruck ueber die indische Gesellschaft und Industrie vermitteln.
Ich bin mehr oder weniger schon mittendrin. Zumindest habe ich schon Literatur und Cases (=Fallstudien der Universitaet selbst) in zwei Faechern gelesen und war heute in der Bibliothek, um mir ein Buch auszusuchen, ueber das ich eine Zusammenfassung schreiben muss hinsichtlich strategischer Gesichtspunkte. Wie genau das aussehen soll, weiss ich noch nicht.
Alles Material wie Kugelschreiber, Bleistift, Block, Textmarker etc. konnte ich hier in einem kleinen Laden neben der Mensa kaufen. Den karierten Block musste ich bestellen und er war dann auch tatsaechlich nach 2-3 Tagen da. Eine schoene Tasche habe ich an einem Strassenstand doch noch gefunden.
Hier die Universitaet wirkt wie ein kleines Dorf. Man steht auf, geht die Treppe runter und ist direkt an den Vorlesungsraeumen, der Mensa, der Bibliothek – nichts ist weit entfernt. Es gibt eine Bank, eine Post, einen Arzt auf dem Campus. Es ist echt nett. Per Telefon auf dem Zimmer kann man jeden Studenten erreichen und Dinge abklaeren oder sich verabreden.
Und man merkt immer wieder, dass es uns Austauschstudenten allen gleich geht…wir haben alle die gleichen Probleme, wie z.B. Internetzugangsprobleme oder auch, dass wir die Professoren schlecht verstehen, und auch die gleichen Interessen – die ersten planen ihre gemeinsame Kurzreise fuer das kommende Wochenende.
Gestern abend hatten wir unser erstes “Dorm-Meeting”, bei dem sowohl wir Austauschstudenten als auch die indischen Studenten sich vorgestellt haben. Uns wurden wichtige Dinge erklaert und wir konnten Fragen stellen. Alle sind wirklich sehr nett und hilfsbereit.
Mein Zimmer finde ich mittlerweile echt huebsch. Ich freue mich jeden morgen die Tueren zum Balkon aufzumachen, damit die Sonne hineinscheint. Die Sonne ist das Schoene an dem Wetter, das Unangenehme sind die Temperaturen – 35 bis 39 Grad taeglich. Man kommt aus der Dusche und faengt direkt an zu schwitzen. In meinem Zimmer habe ich einen Ventilator und in den Vorlesungsraeumen gibt es Klimaanlage. Also alles irgendwie ertraeglich.
Ich denke, ich habe mich in der kurzen Zeit bisher gut eingelebt und die 3 Monate Uni werden bestimmt vorbeigehen wie im Flug…

Erlebnisse / Erfahrungen - die Erste


Am Sonntag abend, ich machte mich gerade fertig, weil wir mit den Austauschstudenten wieder auswaerts essen gehen wollten, da klopfte es meiner Tuer. Draussen stand Kia, eine indische Studentin im ersten Jahr hier an der Universitaet. Ich hatte sie schon am Freitag in meinem Wohnheim (=Dorm) kennengelernt. Sie fragte mich, was ich heute abend vorhabe. Sie lud mich zu einer Geburtstagsparty ein. Leider war ich ja schon verabredet…doch waehrend des Gespraechs stellte sich heraus, dass es nicht ihre Geburtstagsparty war, sondern die von einem Jungen in einem anderen Dorm. Die Jungen hier haben die Tradition, dass bei jeder Geburtstagsfeier ein Ehrengast eingeladen wird, der dem Geburtstagskind ein Stueck Torte ins Gesicht schmiert. Dieser Ehrengast sollte ich sein!! Interessante Tradition…aber wie gesagt, war ich ja schon verabredet. Kia liess jedoch nicht locker und sagte, dass das ganze Spiel erst um 00.00h stattfinden sollte. Ich war ein wenig skeptisch und wusste auch nicht, ob ich bis dahin aus der Stadt zurueck war…also sagte ich, dass ich es versuchen werde, aber nicht definitiv versprechen konnte, dann auch da zu sein. Ich erzaehlte diese eigenartige Geschichte direkt Renee, der anderen Studentin aus Koeln, und sie war direkt Feuer und Flamme und wollte mitkommen. Nach einem leckeren Essen in der Stadt waren wir schliesslich um 23.45h zurueck am Campus. Ich rief Kia an und fragte, wo wir hinkommen sollen. Dorm 25 im neuen Teil des Campus war schnell gefunden, von Party jedoch noch keine Spur. Zur Sicherheit, falls ich es nicht geschafft haette, hatte Kia noch ein anderes indisches Maedel mitgebracht. Immer mehr Jungs versammelten sich und gegen 00.15h ging dann das traditionelle Prozedere los: das Geburtstagskind, ich wuerde schaetzen 190cm gross, wurde von 4-6 Jungen in der Luft festgehalten und die anderen schlugen mit ihren Badelatschen von oben fest auf seinen Hintern oder traten ihm von unten in den Hintern. Es schallte durch den kompletten Innenhof. Mir erschien das eher als eine Folter als Gratulation und Glueckwuensche. Aber gut…eine indische Maenner-Tradition hier an der Universitaet. Danach wurde der Kuchen angeschnitten. Wir zwei “Ehrengaeste” nahmen uns ein Stueck Torte und schmierten es dem Geburtstagskind in Gesicht, Haare und auf die Brust. Anschliessend durften wir auch ein Stueck Torte essen – schmeckte echt gut! Und das war’s dann auch schon…Leider gibt es von diesem Erlebnis keine Fotos, da es einfach zu dunkel war.


Ein weiteres “Erlebnis” ist die Registrierung bei der Polizei hier in Ahmedabad. Ein Gesetz hier in Indien besagt, dass jeder auslaendische Student, der mit einem Studentenvisum einreist und laenger als 180 Tage in Indien bleibt, sich innerhalb von 14 Tagen nach Ankunft in Indien bei der Polizei seiner Universitaetsstadt melden muss. Haelt man diesen Zeitrahmen nicht ein, muss man eine Strafe von umgerechnet ca. 20 Euro bezahlen. Zunaechst braucht man fuer diese Registrierung alle moeglichen Dokumente: ein Schreiben des Exchange Office der Uni, dass man hier studiert und von wann bis wann, ein Schreiben des Student Activity Office mit unserer genauen Adresse auf dem Campus, d.h. Wohnheim- und Zimmernummer, und Telefonnummer, Kopie von Reisepass, Visum und Einreisestempel und zusaetzlich 6 Passfotos. Jetzt weiss ich auch warum wir von Deutschland aus 10 Passfotos an die Uni schicken mussten. Hat man alle Dokumente muehsam zusammengesucht und organisiert, darf man weitere Dokumente ausfuellen und zwar vier Blaetter, auf denen man vier mal dasselbe hinschreiben muss: Name, Adresse in Deutschland, Nationalitaet, Reisepassnummer, Nummer des Hinflugs, wo man gelandet ist usw. Was sein muss, muss sein! Erfreulicherweise war es moeglich, diese Blaetter bei dem Security Supervisor, also dem Haupverantwortlichen fuer die Sicherheit auf dem Campus, zu erhalten. Ich habe brav alles ausgefuellt und dachte ich kann ihm die Dokumente heute morgen einfach abgeben, damit er sie von uns Studenten gesammelt zur Polizeistation bringt. Falsch gedacht…es gab ein weiteres Blatt, was ausgefuellt werden musste. Natuerlich hatte ich meinen Kugelschreiber im Zimmer liegen lassen. Diese sind hier in Indien immer(!) Mangelware. Es wurde wieder nach denselben Dingen gefragt: Reisepassnummer, Geburtsdatum, Geburtsort, usw. So, dachte ich, jetzt hast du es aber geschafft…leider noch nicht! Da ich die 14 Tage – Frist leider nicht eingehalten habe und somit die Strafe zahlen muss, musste ich zusaetzlich ein paar Saetze aufschreiben, in denen ich erklaere, dass es mir nicht moeglich war die Registrierung vorher zu vorzunehmen. Damit habe ich die erste Huerde geschafft!
Es ist schon eine Erleichterung, dass der Security Supervisor sich um die Angelegenheit kuemmert. Andere Austauschstudenten von uns sind auch alleine zum Polizei Office gefahren, was nochmals komplizierter ist, weil man zuerst den richtigen Ansprechpartner finden muss und dann ist es oft schwierig zu verstehen, was man als naechstes machen muss.
Ich kann morgen abend – hoffentlich – meinen Reisepass wieder abholen und bekomme dann meinen Termin zu einem persoenlichen Gespraech bei der Polizei. Damit sollte die Registrierung geschafft sein.
Nach dem Semester brauchen wir dann wieder eine schriftliche Erlaubnis oder Bestaetigung von der Polizei, die wir bei der Ausreise aus Indien benoetigen. Falls ich die vergesse, muss ich leider hier bleiben…