Mittwoch, 3. September 2008

Erlebnisse / Erfahrungen - die Erste


Am Sonntag abend, ich machte mich gerade fertig, weil wir mit den Austauschstudenten wieder auswaerts essen gehen wollten, da klopfte es meiner Tuer. Draussen stand Kia, eine indische Studentin im ersten Jahr hier an der Universitaet. Ich hatte sie schon am Freitag in meinem Wohnheim (=Dorm) kennengelernt. Sie fragte mich, was ich heute abend vorhabe. Sie lud mich zu einer Geburtstagsparty ein. Leider war ich ja schon verabredet…doch waehrend des Gespraechs stellte sich heraus, dass es nicht ihre Geburtstagsparty war, sondern die von einem Jungen in einem anderen Dorm. Die Jungen hier haben die Tradition, dass bei jeder Geburtstagsfeier ein Ehrengast eingeladen wird, der dem Geburtstagskind ein Stueck Torte ins Gesicht schmiert. Dieser Ehrengast sollte ich sein!! Interessante Tradition…aber wie gesagt, war ich ja schon verabredet. Kia liess jedoch nicht locker und sagte, dass das ganze Spiel erst um 00.00h stattfinden sollte. Ich war ein wenig skeptisch und wusste auch nicht, ob ich bis dahin aus der Stadt zurueck war…also sagte ich, dass ich es versuchen werde, aber nicht definitiv versprechen konnte, dann auch da zu sein. Ich erzaehlte diese eigenartige Geschichte direkt Renee, der anderen Studentin aus Koeln, und sie war direkt Feuer und Flamme und wollte mitkommen. Nach einem leckeren Essen in der Stadt waren wir schliesslich um 23.45h zurueck am Campus. Ich rief Kia an und fragte, wo wir hinkommen sollen. Dorm 25 im neuen Teil des Campus war schnell gefunden, von Party jedoch noch keine Spur. Zur Sicherheit, falls ich es nicht geschafft haette, hatte Kia noch ein anderes indisches Maedel mitgebracht. Immer mehr Jungs versammelten sich und gegen 00.15h ging dann das traditionelle Prozedere los: das Geburtstagskind, ich wuerde schaetzen 190cm gross, wurde von 4-6 Jungen in der Luft festgehalten und die anderen schlugen mit ihren Badelatschen von oben fest auf seinen Hintern oder traten ihm von unten in den Hintern. Es schallte durch den kompletten Innenhof. Mir erschien das eher als eine Folter als Gratulation und Glueckwuensche. Aber gut…eine indische Maenner-Tradition hier an der Universitaet. Danach wurde der Kuchen angeschnitten. Wir zwei “Ehrengaeste” nahmen uns ein Stueck Torte und schmierten es dem Geburtstagskind in Gesicht, Haare und auf die Brust. Anschliessend durften wir auch ein Stueck Torte essen – schmeckte echt gut! Und das war’s dann auch schon…Leider gibt es von diesem Erlebnis keine Fotos, da es einfach zu dunkel war.


Ein weiteres “Erlebnis” ist die Registrierung bei der Polizei hier in Ahmedabad. Ein Gesetz hier in Indien besagt, dass jeder auslaendische Student, der mit einem Studentenvisum einreist und laenger als 180 Tage in Indien bleibt, sich innerhalb von 14 Tagen nach Ankunft in Indien bei der Polizei seiner Universitaetsstadt melden muss. Haelt man diesen Zeitrahmen nicht ein, muss man eine Strafe von umgerechnet ca. 20 Euro bezahlen. Zunaechst braucht man fuer diese Registrierung alle moeglichen Dokumente: ein Schreiben des Exchange Office der Uni, dass man hier studiert und von wann bis wann, ein Schreiben des Student Activity Office mit unserer genauen Adresse auf dem Campus, d.h. Wohnheim- und Zimmernummer, und Telefonnummer, Kopie von Reisepass, Visum und Einreisestempel und zusaetzlich 6 Passfotos. Jetzt weiss ich auch warum wir von Deutschland aus 10 Passfotos an die Uni schicken mussten. Hat man alle Dokumente muehsam zusammengesucht und organisiert, darf man weitere Dokumente ausfuellen und zwar vier Blaetter, auf denen man vier mal dasselbe hinschreiben muss: Name, Adresse in Deutschland, Nationalitaet, Reisepassnummer, Nummer des Hinflugs, wo man gelandet ist usw. Was sein muss, muss sein! Erfreulicherweise war es moeglich, diese Blaetter bei dem Security Supervisor, also dem Haupverantwortlichen fuer die Sicherheit auf dem Campus, zu erhalten. Ich habe brav alles ausgefuellt und dachte ich kann ihm die Dokumente heute morgen einfach abgeben, damit er sie von uns Studenten gesammelt zur Polizeistation bringt. Falsch gedacht…es gab ein weiteres Blatt, was ausgefuellt werden musste. Natuerlich hatte ich meinen Kugelschreiber im Zimmer liegen lassen. Diese sind hier in Indien immer(!) Mangelware. Es wurde wieder nach denselben Dingen gefragt: Reisepassnummer, Geburtsdatum, Geburtsort, usw. So, dachte ich, jetzt hast du es aber geschafft…leider noch nicht! Da ich die 14 Tage – Frist leider nicht eingehalten habe und somit die Strafe zahlen muss, musste ich zusaetzlich ein paar Saetze aufschreiben, in denen ich erklaere, dass es mir nicht moeglich war die Registrierung vorher zu vorzunehmen. Damit habe ich die erste Huerde geschafft!
Es ist schon eine Erleichterung, dass der Security Supervisor sich um die Angelegenheit kuemmert. Andere Austauschstudenten von uns sind auch alleine zum Polizei Office gefahren, was nochmals komplizierter ist, weil man zuerst den richtigen Ansprechpartner finden muss und dann ist es oft schwierig zu verstehen, was man als naechstes machen muss.
Ich kann morgen abend – hoffentlich – meinen Reisepass wieder abholen und bekomme dann meinen Termin zu einem persoenlichen Gespraech bei der Polizei. Damit sollte die Registrierung geschafft sein.
Nach dem Semester brauchen wir dann wieder eine schriftliche Erlaubnis oder Bestaetigung von der Polizei, die wir bei der Ausreise aus Indien benoetigen. Falls ich die vergesse, muss ich leider hier bleiben…

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